Behauptung: „Die Migration belastet unser System“
Fakt: Vor allem als systemrelevant bezeichnete Berufe hängen enorm von Migration/Einwanderung ab.
Antwort Tatsächlich hängt unser System stark von Migranten und Einwanderung ab. Eine Ausweisung vieler Migranten und sogar schon ein Migrationsstopp würde zu schwerwiegendem Arbeitsmangel führen.
Systemrelevante Berufe abhängig von Migration
Es ist klar erkennbar, dass vor allem systemrelevante Berufe überproportional von Nichtdeutschen abhängig sind. Während der Anteil der Nichtdeutschen in der Gesamtbevölkerung bei knapp 15 % liegt [Q2], sind sie stark im Sanitärbereich (37 %), in der Lebensmittelproduktion (34 %) sowie im Hoch- und Tiefbau (31 %) überrepräsentiert [Q1]. Ihr Anteil in diesen Branchen ist mehr als doppelt so hoch im Verhältnis zum Anteil in der Gesellschaft.
Q1 Mediendienst Integration: In welchen Berufen arbeiten viele Ausländer? [Quelle]
Q2 Mediendienst Integration: Anteil Nichtdeutscher Bevölkerung [Quelle]
Dazu kommen weitere Bereiche wie Logistik (25,4 %), Landwirtschaft (24 %), Aus- und Innenbau (48 %) sowie Altenpflege (16 %) und Ärzte (21 %), wo sie ebenfalls leicht bis auffällig überrepräsentiert sind.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sie in vielen systemrelevanten Berufen überproportional vertreten sind. Daraus lässt sich schließen, dass durch Einschränkungen in der Migration, Integration und Schaffung von gesellschaftlichen Spannungen Deutschland konkreten Risiken ausgesetzt wird.
Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen ist ein Prozess
Ein Forschungsbericht der Bundesagentur für Arbeit hat die Situation durch Befragungen näher untersucht:
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass nach 8 Jahren rund 68 % der Flüchtlinge mindestens 1 Stunde pro Woche arbeiten [Q1][Q8]. Mit jedem Jahr beziehen weniger Flüchtlinge Leistungen (Arbeitslosengeld, Bürgergeld, Asylbewerberleistungen) [Q2] und liegen nach 8 Jahren mit 38 % Leistungsbezug und einem durchschnittlichen Bruttolohn von 2.400 € unter denjenigen, die 35 Stunden oder mehr arbeiten [Q3]. Insgesamt arbeiten ab 4 Jahren nach dem Zuzug über 90 % in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen (d.h. über dem Minijob-Niveau von 520 €)[Q4].
Auch hier zeigt sich, dass die häufigsten Branchen die Rohstoffgewinnung und -herstellung, Transport, Logistik, Schutz und Sicherheit sowie Gesundheits- und Sozialwesen sind [Q5]. Alles Bereiche, die oft als systemrelevant bezeichnet werden.
Darüber hinaus sind auch die Unterschiede relevant: Es zeigt sich, dass Flüchtlinge nach 2016 nach dem 6. Lebensjahr stärker erwerbstätig sind als Flüchtlinge anderer Ankunftszeitpunkte, was möglicherweise auch auf politischen Veränderungen und weniger auf den Personen beruht [Q7]. Ein anerkannter Asylantrag, Berufsberatung, berufsbezogene Sprachkurse, ein gutes Willkommensgefühl und der Integrationskurs des BAMF wirken sich am positivsten auf die Wahrscheinlichkeit einer schnelleren bezahlten Beschäftigung aus [Q9].
Q1 Herbert Brücker, Maye Ehab, Philipp Jaschke und Yuliya Kosyakova, Institutionelle Hürden beeinflussen Umfang und Qualität der Erwerbstätigkeit von Geflüchteten, IAB-Forschungsbericht, Nr. 10, Nürnberg, 2024, S. 16, online unter: [Quelle] (letzter Zugriff: 16. Nov. 2024)
Q2 Herbert Brücker, Maye Ehab, Philipp Jaschke und Yuliya Kosyakova, Institutionelle Hürden beeinflussen Umfang und Qualität der Erwerbstätigkeit von Geflüchteten, IAB-Forschungsbericht, Nr. 10, Nürnberg, 2024, S. 24, online unter: [Quelle] (letzter Zugriff: 16. Nov. 2024)
Q3 Herbert Brücker, Maye Ehab, Philipp Jaschke und Yuliya Kosyakova, Institutionelle Hürden beeinflussen Umfang und Qualität der Erwerbstätigkeit von Geflüchteten, IAB-Forschungsbericht, Nr. 10, Nürnberg, 2024, S. 23, online unter: [Quelle] (letzter Zugriff: 16. Nov. 2024)
Q4 Herbert Brücker, Maye Ehab, Philipp Jaschke und Yuliya Kosyakova, Institutionelle Hürden beeinflussen Umfang und Qualität der Erwerbstätigkeit von Geflüchteten, IAB-Forschungsbericht, Nr. 10, Nürnberg, 2024, S. 18, online unter: [Quelle] (letzter Zugriff: 16. Nov. 2024)
Q5 Herbert Brücker, Maye Ehab, Philipp Jaschke und Yuliya Kosyakova, Institutionelle Hürden beeinflussen Umfang und Qualität der Erwerbstätigkeit von Geflüchteten, IAB-Forschungsbericht, Nr. 10, Nürnberg, 2024, S. 21, online unter: [Quelle] (letzter Zugriff: 16. Nov. 2024)
Q6 Herbert Brücker, Maye Ehab, Philipp Jaschke und Yuliya Kosyakova, Institutionelle Hürden beeinflussen Umfang und Qualität der Erwerbstätigkeit von Geflüchteten, IAB-Forschungsbericht, Nr. 10, Nürnberg, 2024, S. 45, online unter: [Quelle] (letzter Zugriff: 16. Nov. 2024)
Q7 Herbert Brücker, Maye Ehab, Philipp Jaschke und Yuliya Kosyakova, Institutionelle Hürden beeinflussen Umfang und Qualität der Erwerbstätigkeit von Geflüchteten, IAB-Forschungsbericht, Nr. 10, Nürnberg, 2024, S. 14, online unter: [Quelle] (letzter Zugriff: 16. Nov. 2024)
Q8 Statistisches Bundesamt: Definition Erwerbstätige, online unter: [Quelle] (letzter Zugriff: 17. Nov. 2024)
Q9 Herbert Brücker, Maye Ehab, Philipp Jaschke und Yuliya Kosyakova, Institutionelle Hürden beeinflussen Umfang und Qualität der Erwerbstätigkeit von Geflüchteten, IAB-Forschungsbericht, Nr. 10, Nürnberg, 2024, S. 37, online unter: [Quelle] (letzter Zugriff: 16. Nov. 2024)